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Bleibt uns nur noch zu schweigen? – Sprachphänomenologische Überlegungen zu einer Sigetik angesichts der nachmetaphysischen Welt

26. September 18:15 - 20:00

Bleibt uns nur noch zu schweigen? – Sprachphänomenologische Überlegungen zu einer Sigetik angesichts der nachmetaphysischen Welt

Dr. Marcus Held (Universität Mainz)

Die Signatur eines jeden metaphysischen Denkens stützt sich auf eine vorgegebene einheitsstiftende Ordnung. Identitätsdenken, Ideenlehre und Hochschätzung der theoretischen Lebensform sind die wichtigsten Kennzeichen einer metaphysischen Denkhaltung – so Jürgen Habermas Befund. Was aber bleibt der „nachmetaphysischen“ Annäherung übrig, wenn wir von Gott reden wollen. Wie kann das Denken jeglicher einheitsstiftenden Dynamik entgehen, ohne dabei das Identitätsdenken, die Ideenlehre und die Hochschätzung der theoretischen Lebensform zu propagieren?

Das nachmetaphysische Denken der Welt hilft uns jenen Anspruch zu verwirklichen den Jacques Derrida mit dem Diktum des „Wie nicht sprechen“ belegt hat. Doch wird zu zeigen sein, dass dieses Diktum weit mehr Sprachräume eröffnet. Das „Wie nicht sprechen“ weist auf eine Schweigelehre hin, die sich an der Zeichenhaftigkeit des Wortes orientiert. Das Wort als designierendes Zeichen ist zum einen Gestalt und Bild, aber zugleich auch designiertes Zeichen, das sich auf die außer-sprachlichen Dinge und Phänomene beziehen kann, auf die man zeigen und die man demonstrieren kann, ohne jedoch grundlegend ein Identitätsdenken, eine Ideenlehre oder eine damit verbundene theoretische Lebensform annehmen zu müssen.

Eine sprachphänomenologische Schweigelehre weitet das Designatum in seiner Bedeutung und dem Sinn. Sie ermöglicht das von Habermas im metaphysischen Denken erahnte ontologische Simulakrum in eine Hermeneutik der Negativität zu wenden. Es wird eine Schweigerlehre zu entwerfen sein, indem das prozedurale Moment des Schweigens sich in dem außersprachlichen Bezeichnetem hingibt. Die Schweigelehre ist dann als das Vollzugsmoment des Sprachlichen zu verstehen. Das im Schweigen Entstehen der Bedeutungsweite durch die Erfahrung von Negativität Bedingte ist die Verschiebung von Vertrautheitsebenen. In der zu entwerfenden Schweigelehre ereignet sich durch die Weite eine Prägnanz eine entgegentretende Transzendenz in Gestalt der Hinweisung und Zuwendung, die der Metaphysik der Gegenwart entgegenläuft. Sie macht es in ihrem beredeten Schweigen die Substitute des Absoluten zu enthüllen und der Dekonstruktion des Sprachlichem zugänglich zu machen. Sie folgt damit der Empfehlung von Ludwig Wittgenstein die Götter zu zerstören und keinen neuen – etwas in der anwesenden Abwesenheit eines Götzen – zu schaffen.

Die zu entwerfende Schweigelehre macht deutlich, dass Theologie und Philosophie hier selbst zur Praxis werden, da sie zu dem neuen Selbst- und Weltverhältnis über eine Umwendung des Sprachlichen führen müssen. Wobei nur die Theologie es vermag die Metaphysik in ihren philosophischen Ansprüchen einer einheitsstiftenden Ordnung von Identitätsdenken, Ideenlehre und Hochschätzung der theoretischen Lebensform zu überwinden.

Details

Datum:
26. September
Zeit:
18:15 - 20:00
Eintritt:
Frei

Veranstaltungsort

Veranstaltungsraum 1 [V1 5. Ebene]
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