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Autonomie und Utopie in Beratung und Psychotherapie

19. Oktober 19:00 - 21:00

10€ regulär, 8€ ermäßigt für TN und Alumni, 5€ für Studierende

Als Aufklärer begründete Sigmund Freud die moderne Psychotherapie. Sein Credo „Wo Es war soll Ich werden.“ steht für den Anspruch möglicher Autonomie, die im Dialog mit dem Therapeuten  auf den Weg kommen soll.  Vor allem war es die Philosophie Friedrich Nietzsches, die seine Überlegungen über die Fallstricke des Unbewussten prägte, die unsere kulturell geprägte Autonomie gefährden können. Nietzsche war es auch, der mit seiner Lebensphilosophie entscheidende Stichworte zum utopischen Element  in der therapeutischen Menschenführung gab.

Der Vortrag beleuchtet ideenhistorisch die Bedeutung dieser Impulse im Horizont späterer Konzepte der Psychotherapie. Er fokussiert vergleichend die Gestalten von Karl Jaspers und Viktor v. Weizsäcker, die stärker  psychosomatische und philosophische Akzente setzten. Zugleich macht die Kontroverse, die beide im Anschluss an Freuds Psychoanalyse führten, deutlich, wie umstritten die Deutungsmacht im therapeutischen Dialog ist, wie Hilfe für in Herrschaft über den Klienten umschlagen kann, wenn der Andere nicht als utopisches Geheimnis gesehen wird. In diesem Sinn sagte Jaspers: „Der Mensch ist mehr als er selbst, und als andere, von ihm wissen können.“

Prof. Dr. Matthias Bormuth lehrt als Heisenberg-Professor Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg und leitet das Karl Jaspers-Haus.  Als Mediziner und Philosoph ist er Mitglied der „Task Force Identität des Psychiatrie“ der DGPPN. Seine  kulturwissenschaftlichen und ideengeschichtlichen Publikationen umfassen auch Arbeiten zur Geschichte und Theorie der Psychiatrie und Psychotherapie. Im Oktober erscheint eine Neuauflage von „Lebensführung in der Moderne. Karl Jaspers und die Psychoanalyse“ (Frommann-Holzboog 2002/2017).

Details

Datum:
19. Oktober
Zeit:
19:00 - 21:00
Eintritt:
Frei

Veranstaltungsort

Veranstaltungsraum 1 [V1 5. Ebene]
Veranstaltungsraum 1 [V1 5. Ebene]